Die Reise der INO

Die Fahrt der INO verbindet 2017 die bedeutsamsten Kunst- und Kulturereignisse Europas auf dem Wasserweg. Folgt uns auf unserer 8.500 Kilometer langen grand tour von Venedig nach Kassel.

EUROPA AUSLOTEN – LOOTING EUROPE

A FAREWELL TO VENICE. – Der viel und wohl nicht zu Unrecht beklagte Nieder- und allmähliche Untergang Venedigs – kulturell, sozial, politisch und nicht zuletzt physisch – ereignet sich in auffallender Parallele zu einer Entwicklung, die Europa betrifft und von der man noch nicht wissen kann, ob die immer deutlicher werdenden Zeichen des Niedergangs auch hier als Vorboten des Untergangs zu deuten sind. Was, gilt es zu fragen, ist im gegenwärtige Europa zu holen? Welche Ausbeute, welche Beute könnte ein Zug durch den Kontinent noch erbringen?

Will man solches unternehmen, tut man gut, von Venedig aus aufzubrechen, diesem europäischen Kunst-, Traum- und Albtraumgebilde, das alles in seine ausufernden Magazine und Arsenale einsog und dessen sanfte Tentakel sich über den ganzen Kontinent legten. In diesem historisch-metaphorischen Kontext liegt es nahe, für die Unternehmung das Jahr 2017 zu wählen, wo vier europäische Ereignisse zusammenfallen, die für die Welt der Kunst von Bedeutung sind: die Biennalen in Venedig und Istanbul, die documenta in Kassel und Athen, sowie das Skulpturenprojekt Münster. Sinnig lassen sich so im Rahmen des Beutezugprojekts auf einer Reise, die diese Stationen berührt und weiter nach Berlin führt, sowohl für die Kunst als auch für Europa die Orte und Positionen, die Ausdehnungen und die räumlichen Parameter ausloten.

Als angemessenes Vehikel hierfür ist kaum anderes zu denken als ein vaporetto, das Mittel des venezianischen Nahverkehrs und so die Wahrnehmungsmaschine für das Narrativ von Stadt und Lagune. Mit einem solchen wird also der Erkundungs- und Beutezug unternommen – eine Fahrt zum Zweck der Inaugenscheinnahme der Räume zwischen den bekannten Orten, die neun Monate in Anspruch nehmen wird. Im Frühjahr 2017, nach dem Abflauen der Winterstürme in der Adria, soll es losgehen.

Der entscheidende Schritt ist getan: Im Mai 2016 wurde der 1905 in Betrieb genommene vaporetto #20 (der älteste noch existierende) für das Vorhaben zur Verfügung gestellt, der nun im Hafen von Marghera für die große scorreria ausgerüstet und tauglich gemacht wird. Das Schiff wurde auf den Namen INO getauft.

Die Fahrt wird ihre Ausbeute in denkbar vielfältigster Weise finden, und auf genau diese Vielfalt zielt sie ab. Jede Struktur, jedes Objekt des Sammelns ist zu Beginn der Unternehmung vorstellbar – was geschehen wird, wird seine Gestalt in der Interaktion mit den durchmessenen Regionen finden. Es ist erklärtermaßen die Absicht, daß sich erst im Verlauf der Fahrt herausstellen soll, welche Strukturen und Techniken sich anbieten und entwickeln lassen, die Fragmente und Spolien eines zunehmend unklarer und unschärfer werdenden politischen und kulturellen Europa in ihrer Konsistenz und Differenz zu erfassen. Das Resultat dieses Beutezugs, eine tendenziell unendliche Sammlung von allem und jedem, deren Ordnung und Struktur selbst nicht der unbedeutendste Teil des Sammlungsprojekts sein wird, versteht sich als ein »Magazin der Zwischenräume«, das die Ausdehnung untersucht und beschreibt.

Die Fahrt wird mit den aktuellen technischen Möglichkeiten dokumentiert und kommuniziert werden. Wichtiger indes und Zielpunkt des Prozesses ist die abschließende Sichtung und öffentliche Ausstellung des Zusammengetragenen in Berlin, an Bord der INO, an wechselnden Liegeplätzen und mit ständig wechselnder Präsentation, als ein genaues rhetorisches Abbild der gesamten Unternehmung, das den Fokus auf die Betrachtung als Möglichkeit und auf die Relativierbarkeit des Gesehenen und seiner Strukturierung legt.

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