WAS HEISST HIER ›INO‹?

Nein – der Vaporetto wird seinen Namen wohl kaum der »Neuinterpretation klassischer Waschtisch-Formen« verdanken, die als ›Kollektion INO‹ die Zukunft der Sanitärkeramik einläuten soll – auch wenn hier die Bezüge zum Schiff kaum evidenter sein könnten: »elegant, einladend und nahezu schwerelos« sei die Wirkung, und die Rede ist von der »schlichten Linienführung sowie den zarten und dennoch extrem stabilen Wandungen « – besser ließe sich der Vaporetto kaum beschreiben, oder zumindest nicht sein Bild in der Vorstellung der INOnauten – seine platonische Idee gewissermaßen (Ideal & Wirklichkeit: »In stiller Nacht & monogamen Betten…«).

Auch wird die bekannte japanische Mangafigur nicht als Quelle herhalten können, selbst wenn sie sich in Cosplayer-Kreisen großer Beliebtheit zu erfreuen scheint, nach der beeindruckenden Menge an Kostümangeboten zu schließen. Bemerkenswerterweise verfügt sie nicht nur über ein Ich, sondern sogar über ein ›Inneres Ich‹, mit dem man indes nicht gerne Bekanntschaft schließen möchte, nach allem, was man von ihm hört. „WAS HEISST HIER ›INO‹?“ weiterlesen

DIE WILDGÄNSE UND DIE LAGUNE

Die ausgedehnten Hafenanlagen Margheras, der Ort, wo sich die INO gerade befindet, das ehemalige Marschland im Nordosten der Lagune, war einst Teil des ersten großen Rastplatzes für Zugvögel nach der Überquerung der Alpen. Die Erinnerung an diesen längst untergegangenen Ort scheint tief verankert: noch heute sieht man hin und wieder Scharen von Wildgänsen in geringer Höhe über den Öltanks kreisen, freilich ohne daß sie je eine Landung versuchten. [fb]

JACK

Den kahlen Baum vor dem verlassenen Bürogebäude, das uns gerade als Unterkunft dient – es sind von hier keine 50 Schritte bis zur INO, und es bietet einen etwas campingartigen Komfort –, hat sich ein Fasan zur Wohnung erkoren, dem eine Freundin auf Besuch den Namen Jack Brösel gegeben hat, nach seinen Ernährungsgewohnheiten. „JACK“ weiterlesen

IL CASANOVA INCARCERATO

Seltsame Trouvaillen, kuriose Koinzidenzen! Lange bevor die INO ihre europäische Entdeckungsfahrt beginnt, jetzt also, wo sie noch aufgebockt an den, oder besser auf den Gestaden Margheras hockt, am Rande eines Kanals nämlich, der nichts mit den canali, rii, fondamente und rive Venedigs zu tun hat, und noch dazu in einem Areal, das die untergegangenen Industrien widerspiegelt wie das untergehende Venedig untergegangene Größe, wirft die Reise schon einen Schatten voraus, resp. es lohnen die zuständigen Genien schon einmal die Mühen des Festlands und die sich hinziehenden Reisevorbereitungen durch einen großzügigen Vorschuß, der für die Zukunft allerhand zu versprechen scheint. „IL CASANOVA INCARCERATO“ weiterlesen

EIN BRIEF UND DIE ANTWORT DARAUF

Sehr geehrte Herren,

Ihr Schreiben zum paneuropäischen Kulturprojekt haben wir erhalten. Eine finanzielle Beteiligung können wir Ihnen nicht bieten, aber da ihr Slogan im englischen Teil so sehr ins Auge sticht, möchten wir zumindest hier ein wenig (hoffentlich) konstruktive Kritik beitragen. Wollen Sie wirklich »Looting Europe« sagen? D.h., zu Deutsch »Europa ausplündern«? Falls Sie auf der Suche nach einer englischen Übersetzung für »Europa ausloten« sind, würde ich hier eher »Sounding Europe« empfehlen. „EIN BRIEF UND DIE ANTWORT DARAUF“ weiterlesen