DIE BIBLIOTHEK DER INO

In seinem 1960 erschienenen Roman KAFF auch Mare Crisium läßt Arno Schmidt den Protagonisten während eines Besuchs auf dem Lande seiner Freundin eine Geschichte aus der nahem Zukunft ezählen, die in guter Tradition der utopisch-satirischen Literatur auf dem Mond spielt. Hier gibt es zwei Kolonien, eine sowjetische und eine US-amerikanische, die untereinander in einem groteskem Kalten Krieg stehen, was um so absurder ist, als auf der Erde infolge eines Atomkriegs alles Leben ausgelöscht und die Menschheit also auf die zwei Grüppchen der Mondkolonisten reduziert ist. Mehr schlecht als recht kann man hier überleben, wobei es den Russen ein wenig besser zu gehen scheint als den Amerikanern, aus deren Perspektive erzählt wird. Die Möglichkeiten der Kultur unter diesen Bedingungen der technisch hochgerüsteten, aber insgesamt erbärmlichen Existenz ist eines der Themen der Erzählung, und hier geht es selbstverständlich auch um Literatur und um die beiden konkurrierenden Bibliotheken. „DIE BIBLIOTHEK DER INO“ weiterlesen

UNLÄNGST, IM FORTE MARGHERA,

einer von den Habsburgern angelegten Festung am Rand der Lagune, wo sich heute ein buntes Künstlerleben abspielt, trafen wir eine Studentin des Tourismus, die sich mit der Behauptung hervortat, vaporetti seien zu Anfang auch für den militärischen Einsatz konzipiert gewesen und somit eigentlich Kriegsschiffe. (Möglicherweise hatte sie davon gehört, daß einige von ihnen während der beiden Weltkriege für Transportzwecke requiriert worden waren.) Unsere Erwiderung, das tauge uns gut, sei doch die INO in Wirklichkeit nichts weniger als das Flagschiff der venezianischden Flotte, unsere geplante Fahrt in Wahrheit nur der Deckmantel für eine vorläufig noch geheime militärische Mission, eine großangelegte Offensive zur Befreiung Konstantinopels aus den Händen der Ungläubigen, quittierte sie mit kaum verhohlener Empörung, verließ auch alsbald die Runde. [fb]

DER STAND DER DINGE – MAI 2017

Alles, so heißt es, sei im Fluß, und so ist auch bei uns das Eine und Andere nicht mehr, was oder wie es zu Anfang war. Allem voran der Zeitplan – der allerdings in weiser Vor­aussicht von vornherein weit und großzügig gefaßt war. Wie bei nahezu allen Großprojekten (und auch die Fahrt der INO entwickelt sich zunehmend zu einem solchen, insbesondere, was die Um- und Aufrüstung des Schiffs betrifft) zieht sich alles länger hin, als mit der gewohnten Zuversicht des Beginns angenommen. „DER STAND DER DINGE – MAI 2017“ weiterlesen

EIN BRIEF UND DIE ANTWORT DARAUF

Sehr geehrte Herren,

Ihr Schreiben zum paneuropäischen Kulturprojekt haben wir erhalten. Eine finanzielle Beteiligung können wir Ihnen nicht bieten, aber da ihr Slogan im englischen Teil so sehr ins Auge sticht, möchten wir zumindest hier ein wenig (hoffentlich) konstruktive Kritik beitragen. Wollen Sie wirklich »Looting Europe« sagen? D.h., zu Deutsch »Europa ausplündern«? Falls Sie auf der Suche nach einer englischen Übersetzung für »Europa ausloten« sind, würde ich hier eher »Sounding Europe« empfehlen. „EIN BRIEF UND DIE ANTWORT DARAUF“ weiterlesen