Drei Männer im Hafenamt

Foto HG Merz

Schiffer, führt dein Weg nach Delphi dich über Itea, so wirst du am Abend, nachdem du dein Schiff an der Kaimauer sicher vertäut hast, deine Schritte zur Hafenmeisterei lenken, wo in einem Gebäude, das wie die ganze Hafenanlage von großen, längst versandeten Hoffnungen spricht, drei ältere Männer dich schon erwarten. Deiner Sprache werden sie so wenig mächtig sein, wie du der ihrigen, und so werdet ihr euch gezwungen sehen, die Konversation in einem etwas eingeschränkten Englisch zu führen. Während der umständlichen Rituale einer Bürokratie, an deren Sinn niemand zu glauben scheint, wirst du nicht umhin kommen, die zwei Gemälde an der Wand hinter den alten Schreibtischen zu bemerken, und es wird dir nicht entgehen, daß die dort geschilderten Seeschlachten mit ihren heftigen Kanonaden im vorletzten Jahrhundert stattgefunden haben müssen.
Auch wird das geringe Talent des Malers dir kaum verborgen bleiben. „Drei Männer im Hafenamt“ weiterlesen

Gilberto Penzo

Als Friedrich zum ersten Mal seinen Laden in San Polo aufsuchte, vor nunmehr vier Jahren, um ihn zu fragen, wie man am besten an ein vaporetto kommen könne, nahm Penzo ihn nicht besonders ernst – was man ihm nicht verdenken kann, sieht er sich doch beständig mit den dümmsten nur vorstellbaren Fragen konfrontiert, etwa, ob es sich bei den gläsernen Fischerkugeln in seinem Schaufenster um altertümliche Fender handele – was er bejaht, und auch die Frage, wann Venedig denn schließe, wird ihm regelmäßig gestellt – was ihn empört, wie ganz allgemein das Benehmen der Touristen und der Verfall der Sitten und der Niedergang des Benehmens. Er konnte oder wollte Friedrich also nicht weiterhelfen, verkaufte ihm jedoch immerhin einen Plansatz der Serie 80, von der zwischen 1974 und 1988 37 Exemplare gebaut wurden. Eines davon hätten wir damals gerne gehabt.

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Sandro

Sandro, ein meist gutgelaunter vielbeschäftigter Mann, den wir auf Mitte 50 schätzen, schwer, doch beweglich genug für seine Arbeit in den unzugänglichsten und engsten Winkeln, ist elettricista, Spezialist für die Elektrifizierung von Schiffen, Yachten hauptsächlich. „Sandro“ weiterlesen

Die Frau von nebenan

Die Heftigkeit des diesjährigen Frühlingsausbruchs zeigt sich hier im Hafen auf vielfältige Weise – der vertrocknete Lorbeer, der in seinen Plastikkübeln den Weg zum Showroom der Arti Veneziane (Murano glassware, jewellery, lace and mask making – they also build gondolas) wenn nicht ziert, so doch faßt, will uns etwas weniger trostlos scheinen, die Enten haben ihre undurchsichtigen Paarungsrituale hinter sich, der wachsende Hormondruck der vitelloni zeigt sich an der Lautstärke sowohl ihrer Außenbordmotoren als auch ihrer überdimensionierten Musikanlagen – wobei ›Musik‹ zumeist ein rechter Euphemismus ist für das, womit sie die Welt beglücken –, und die Pakistani in Creas Werft machen fleißig Überstunden, um die über den Winter hier in den alten Hallen in riesigen Regalen eingemotteten Boote wieder sommerfest zu machen. Auch die größeren Schiffe im Hafenbecken werden allmählich unruhig, und schon zeigen sich die ersten Besitzer und winken.

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CREA,

ein gedrungener, grauhaariger Mann, der nur selten einen Gruß erwidert, und auch dann meist unwirsch, betreibt hier auf der Giudecca einen Handwerksbetrieb, eine Bootsbauwerkstatt, spezialisiert auf sorgfältig gefertigte, schnörkellose elegante Holzboote, der Tradition und keinesfalls den Kapriolen des Zeitgeschmacks verpflichtet. „CREA,“ weiterlesen

MARIETTO

Marietto beklagt sich, daß kein Bild von ihm auf unserer Website zu finden sei, und mit Recht: Keiner, Davide ausgenommen (der sich in gelegentlichen Anfällen lautstark und wortreich über Marietto ausläßt, auch regelrecht ausfällig wird, sich jedoch immer alsbald wieder beruhigt), ist so lange tätig mit von der Partie gewesen wie er. Subtilitäten scheinen seine Sache nicht zu sein – sein Metier ist eher das Gröbere. Dabei ist er ausgesprochen hilfsbereit. „MARIETTO“ weiterlesen

SIMONE

Simone, ein Mann an der Schwelle zum Alter, mit ein wenig aufgedunsenem Gesicht und undeutlichen Zügen, der im Augenblick damit beschäftigt ist, den Rumpf der INO zur Vorbereitung des Anstrichs mit Sandpapier zu schleifen, erzählt, er habe als einziger von vier Brüdern nicht studieren dürfen, sein Bestimmung jedoch immer als Oenologe gesehen. „SIMONE“ weiterlesen

FERRARI

Die Venezianer, so wird gelegentlich und nicht ohne Wehmut berichtet, seien einst als die höflichsten Menschen Italiens, wenn nicht gar auf der ganzen Welt bekannt gewesen. Viel sei davon nicht mehr übrig, was einerseits mit dem Verfall der Sitten im Gefolge des alles erdrückenden Tourismus „FERRARI“ weiterlesen