Eine rhetorische Konstruktion in Cattaro

Was uns in Kotor am meisten entzückte – vielleicht, weil es so unerwartet kam –, war eine barocke Altarkomposition, korrekt gesprochen ein zum Lettner erweitertes Altarretabel in der kleinen Klarissinnenkirche, als halbhohe Schranke mit zwei Türen leicht chorwärts geschwungen in den einfachen rechteckigen Raum gestellt, Werk des venezianischen Bildhauers Francesco Cabianca (1665-1737), der wegen der schlechten Auftragslage in der schwächelnden serenissima, wohl aber auch, weil ihm sein Arzt zur Heilung eines venerischen Übels zu einer Seereise geraten hatte, mit seiner Familie nach Dalmatien übersiedelte und zwischen 1704 und 1708 in Kotor bezeugt ist.

Der vielleicht interessanteste Aspekt seiner Komposition ist eine unverkennbare Nähe zur Ikonostase, insofern bemerkenswert, als das Werk für einen Ort entstand, dessen christliche Einwohnerschaft sich in einen katholischen und einen orthodoxen Teil aufspaltete. Ein hübsches Beispiel für barocke Rhetorik also, eine kleine barocke List in Gestalt einer æmulatio, auf eine geradezu spielerische Weise der propaganda fide dienstbar gemacht.

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