FERRARI

Die Venezianer, so wird gelegentlich und nicht ohne Wehmut berichtet, seien einst als die höflichsten Menschen Italiens, wenn nicht gar auf der ganzen Welt bekannt gewesen. Viel sei davon nicht mehr übrig, was einerseits mit dem Verfall der Sitten im Gefolge des alles erdrückenden Tourismus „FERRARI“ weiterlesen

DER STAND DER DINGE – MAI 2017

Alles, so heißt es, sei im Fluß, und so ist auch bei uns das Eine und Andere nicht mehr, was oder wie es zu Anfang war. Allem voran der Zeitplan – der allerdings in weiser Vor­aussicht von vornherein weit und großzügig gefaßt war. Wie bei nahezu allen Großprojekten (und auch die Fahrt der INO entwickelt sich zunehmend zu einem solchen, insbesondere, was die Um- und Aufrüstung des Schiffs betrifft) zieht sich alles länger hin, als mit der gewohnten Zuversicht des Beginns angenommen. „DER STAND DER DINGE – MAI 2017“ weiterlesen

WAS HEISST HIER ›INO‹?

Nein – der Vaporetto wird seinen Namen wohl kaum der »Neuinterpretation klassischer Waschtisch-Formen« verdanken, die als ›Kollektion INO‹ die Zukunft der Sanitärkeramik einläuten soll – auch wenn hier die Bezüge zum Schiff kaum evidenter sein könnten: »elegant, einladend und nahezu schwerelos« sei die Wirkung, und die Rede ist von der »schlichten Linienführung sowie den zarten und dennoch extrem stabilen Wandungen « – besser ließe sich der Vaporetto kaum beschreiben, oder zumindest nicht sein Bild in der Vorstellung der INOnauten – seine platonische Idee gewissermaßen (Ideal & Wirklichkeit: »In stiller Nacht & monogamen Betten…«).

Auch wird die bekannte japanische Mangafigur nicht als Quelle herhalten können, selbst wenn sie sich in Cosplayer-Kreisen großer Beliebtheit zu erfreuen scheint, nach der beeindruckenden Menge an Kostümangeboten zu schließen. Bemerkenswerterweise verfügt sie nicht nur über ein Ich, sondern sogar über ein ›Inneres Ich‹, mit dem man indes nicht gerne Bekanntschaft schließen möchte, nach allem, was man von ihm hört. „WAS HEISST HIER ›INO‹?“ weiterlesen

DIE WILDGÄNSE UND DIE LAGUNE

Die ausgedehnten Hafenanlagen Margheras, der Ort, wo sich die INO gerade befindet, das ehemalige Marschland im Nordosten der Lagune, war einst Teil des ersten großen Rastplatzes für Zugvögel nach der Überquerung der Alpen. Die Erinnerung an diesen längst untergegangenen Ort scheint tief verankert: noch heute sieht man hin und wieder Scharen von Wildgänsen in geringer Höhe über den Öltanks kreisen, freilich ohne daß sie je eine Landung versuchten. [fb]

JACK

Den kahlen Baum vor dem verlassenen Bürogebäude, das uns gerade als Unterkunft dient – es sind von hier keine 50 Schritte bis zur INO, und es bietet einen etwas campingartigen Komfort –, hat sich ein Fasan zur Wohnung erkoren, dem eine Freundin auf Besuch den Namen Jack Brösel gegeben hat, nach seinen Ernährungsgewohnheiten. „JACK“ weiterlesen

IL CASANOVA INCARCERATO

Seltsame Trouvaillen, kuriose Koinzidenzen! Lange bevor die INO ihre europäische Entdeckungsfahrt beginnt, jetzt also, wo sie noch aufgebockt an den, oder besser auf den Gestaden Margheras hockt, am Rande eines Kanals nämlich, der nichts mit den canali, rii, fondamente und rive Venedigs zu tun hat, und noch dazu in einem Areal, das die untergegangenen Industrien widerspiegelt wie das untergehende Venedig untergegangene Größe, wirft die Reise schon einen Schatten voraus, resp. es lohnen die zuständigen Genien schon einmal die Mühen des Festlands und die sich hinziehenden Reisevorbereitungen durch einen großzügigen Vorschuß, der für die Zukunft allerhand zu versprechen scheint. „IL CASANOVA INCARCERATO“ weiterlesen