INO Bibliothek: Neuzugänge V

Die INO wird auf ihrer Fahrt zwar das eine oder andere Buch mitführen, jedoch den Anspruch auf eine Bordbibliothek keinesfalls erheben können. Diese wird also aus Vorschlägen bestehen, aus einem virtuellen Katalog, der während der Dauer der Fahrt erstellt wird. Wer immer sich berufen fühlt, ist eingeladen, seinen Beitrag zu leisten, der, wie es sich gehört, aus dem Namen des Autors, Titel, Erscheinungsort und -jahr bestehen soll sowie einer kursorischen Notiz, die den Zusammenhang zum Projekt der INO herstellt. Die Beiträge bitte an kontakt@ino-art.eu.

Breydenbach, Bernhard von, Peregrinatio in terram sanctam, Mainz 1486. Dt.: Die heyligen reyßen gen Jherusalem zuo dem heiligen grab … , Mainz 1486. — Über Venedig ins Gelobte Land, mit Bildern.
 
Calvino, Italo, Le città invisibili, Turin 1972. — »Dice [Kublai Kan]: – Tutto è inutile, se l’ultimo approdo non può essere che la città infernale, ed è  là in fondo che, in una spirale sempre piú stretta, ci risucchia la corrente. E [Marco] Polo: – L’inferno dei viventi non è qualcosa che sarà; se ce n’è uno, è quello che è già qui, l’inferno che abitiamo tutti i giorni, che formiamo stando insieme. Due modi ci sono per non soffrirne. Il primo riesce facile a molti: accettare l’inferno e diventarne parte fino al punto di non vederlo piú. Il secondo è rischioso ed esige attenzione e apprendimento continui: cercare e saper riconoscere chi e cosa, in mezzo all’inferno, non è inferno, e farlo durare, e dargli spazio.« 
 

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Drei Museen in Tirana

1. Muzeu Historik Kombëtar, Nationalhistorisches Museum

Das größte Museum des Landes, mit angeblich über einer Million Besucher im Jahr, von denen sich jedoch keiner zeigte, als wir am späten Sonntagvormittag dort waren. Erste Abteilung Frühgeschichte und Antike, bei den Exponaten schwer zu unterscheiden, ob es sich um alte Stücke oder um gipserne Abgüsse handelt – eine etwas unsaubere Mischung aus Konservatorenpalast und Museo della civiltà romana. Wie zu erwarten eine patriotisch-heroisierende Skanderbeg-Abteilung, bei der alles aus Faksimiles oder Nachempfundenem bestand, bis hin zu Schwert und Helm. Danach nur noch Helden und Märtyrer, in Arrangements, die aussehen, als habe sich Boltanski von ihnen inspirieren lassen. Bilder von Individuen, entweder als Strecken enstellter blutverkrusteter Leichen oder in langen Reihen unscharfer Porträts von Heroen des Partisanenkampfs, jeweils mit kurzem Lebenslauf und, in einer Vitrine, ein Kleidungsstück und die Waffe des Porträtierten. Auch Opfer der Hoxha-Diktatur sind vertreten, und es ist in diesem unmittelbaren Nebeneinander auffällig, wie sehr sich die Bilder der beiden Abteilungen gleichen, wie ununterscheidbar sie sind. Was bleibt, ist der bedrückende Eindruck einer allumfassenden Gewalttätigkeit, fast ist man geneigt, von einer Kultur der Gewalt zu sprechen. Am Ende dieses Komplexes (dessen Unterteilung in die verschiedenen Epochen der Gewalttätigkeit ohne die Beschriftungen nicht erkennbar ist) Kriegsbeute: Waffen und Gerät aus den Beständen der Wehrmacht. Folgt, wenig organisch, eine kleine Kollektion von Ikonen, schließlich noch, mit großen farbigen Photographien diesmal, ein Raum, in dem das Hohelied von Mutter Theresa gesungen wird und der aussieht wie ein Messestand.

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Perspektive bei Walter De Maria – Teil 2

»…lines traveling out to infinite points…«
Beobachtungen zur Perspektive im Werk von Walter De Maria
Ein Essay in zehn Lieferungen

2.: Zur Perspektive

Es ist also schon der Raum selbst, der hier den Gegenstand der Perspektive anschlägt – ein Thema, das sich durch ein merkwürdiges Oszillieren auszeichnet zwischen dem, was der Begriff unmittelbar als Teil der geometrischen Optik bezeichnet und seiner Verwendung als Metapher der Welterkenntnis und Weltaneignung. Die Entdeckung oder auch Erfindung der Zentralperspektive läßt sich, wenn auch nicht ohne Vorbehalt, durchaus als den Gründungsakt der Neuzeit auffassen. Der Nachweis, daß das Sehen, also die Wahrnehmung, genauen geometrischen Gesetzen folgt, somit eins ist mit der intelligiblen Erkenntnis, muß ein grandioser Befreiungsschlag gewesen sein.

Porträt des Filippo Brunelleschi aus Giorgio Vasari, Le vite…, Florenz 1550.

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Tourismuswerbung

Jüngst, auf dem Flughafen in Tegel den Abflug nach Dubrovnik (ehedem Ragusa) erwartend, sah man sich auf den omnipüräsenten Flachbildschirmen der Wartehalle der Endlosschleife eines Werbefilms ausgesetzt, der zum Urlaub in Ägypten animieren sollte. Allerhand Einladendes bekam man vorgeführt: einen Mann, der in ein großes blaues Meer springt, bunte Fische unter Wasser, einen üppig gedeckten Frühstückstisch, nette Eingeborene mit farbenfrohen Mützchen, freundliche Wohlfühlmusik machend, einen romantischen Blick vom Hotelbalkon in den Sonnenuntergang und anderes mehr. Nichts dagegen von alledem, das Ägypten seit der Erfindung des Tourismus zu dessen bevorzugtem Ziel machte: keine Pyramide, kein Tempel, nicht Abu Simbel, nicht Memphis, nicht einmal ein Tut Ench Amun, auch keine Moschee, keine Medrese, kein Simneonskloster, kein Markt, kein Basar, kein Kaffeehaus. — Die zugkräftige Argumentation der beauftragten Werbeagentur sich auszumalen, bedarf keiner ausgeprägten Phantasie.

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