Komm in den totgesagten Park …

Unser treuer Baedecker, ›Dalmatien und die Adria‹, Leipzig 1928, der verläßlich benennt, was es noch gibt und der ebenso verläßlich aufzeigt, was alles verschwunden ist, empfiehlt beim Besuch der Insel Hvar einen Nachmittagsausflug im Segelboot zur »von üppigstem Pflanzenwuchs umrahmten Bucht Palmisana auf der Nordseite der Insel Sv. Klement (San Clemente), mit dem Sandstrand Vinogradišće«, wozu allerdings zuvor die Erlaubnis des Besitzers, Prof. Eugen Meneghello in Hvar einzuholen sei.
Eugen Meneghello, Botaniker und Mathematiker, begann 1906, noch unter österreichischer Herrschaft also, die Insel zu einem botanischen Garten auszugestalten. Ob sie, wie behauptet wird, schon seit Jahrhunderten im Besitz seiner Familie gewesen war, sei dahingestellt – Tatsache ist, daß er hier eine Art Klein-Mexiko schaffen wollte, ein europäisches Neu-Mexiko in Gestalt eines botanischen Exilkongresses mesoamerikanischer Pflanzen. Welchen Umständen es zu verdanken ist, daß sein Werk nicht nur die Wirren des Zweiten Weltkriegs, sondern auch die Repressalien des Tito-Kommunismus überstand und selbst den Übergang in den ausufernden touristischen Kapitalismus bewältigte, böte den perfekten Stoff für eine breit angelegte Familiensaga. Heute jedenfalls ist Palmišana ein Familienunternehmen mit Marina, Hotel und Restaurants, und das Garn des Gründungsmythos vom leidenschaftlichen Botaniker und seinen unbeugsamen Nachfahren wird gern und wirkungsvoll gesponnen. Der Garten selbst gerät dabei freilich ein wenig in Vergessenheit – sich selbst überlassen, wildert er wenig glücklich vor sich hin, die Flüsse von Energie und Mitteln scheinen nicht in seine Pflege und Erhaltung gelenkt zu werden.

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And now for something completely different: Eine kurze Exkursion nach Berlin

Hans August Schröder (1930-2011), der seinen Weg als Page im Adlon begonnen hatte, später zum geschätztesten barman Berlins avancierte, bevor er mit 72 Jahren seine Lokalität, den von ihm 1976 gegründeten Rum Trader, an Gregor Scholl übergab und ein Studium der Sinologie aufnahm, ein nach allem, was man über ihn hört, weltläufiger, gebildeter und ausgesprochen belesener Mann von ausgeprägtem Witz, war einst in die Fänge des Finanzamts geraten. Steuernachzahlungen wurden von ihm gefordert, in so beträchtlicher Höhe, daß sie ihm das Genick gebrochen haben würden. „And now for something completely different: Eine kurze Exkursion nach Berlin“ weiterlesen

Perspektive bei Walter De Maria – Teil 1

»…lines traveling out to infinite points…« 

Ein Essay in zehn Lieferungen

Apollo’s Ecstasy. Photo Fritz Barth, © Estate of Walter De Maria

1.: Der Raum im arsenale

Apollo’s Ecstasy, ein 1990 entstandenes Werk von Walter De Maria, war 2013 ein Lichtblick auf der Biennale in Venedig, ein Ereignis, das jede Anreise lohnte – wobei vielleicht der letzte Teil des Wegs sich als der undankbarste erweisen mochte, der Gang durch die endlosen Hallen des arsenale mit all den hier versammelten Konfusionen.

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