Wie die Zeit vergeht. Vor einem Jahr hatten wir loszufahren geplant, vor 14 Monaten sogar, wenn man es genau nimmt. Ein ganzes Arsenal an tröstlichen oder spöttischen Sprüchen wird jetzt gegen oder für uns ins Feld geführt werden können, nach dem Muster Was lange währt – doch weiß niemand, ob es jetzt gut wird, oder ob die Sache gutgeht und auch keiner, wie sie ausgehen wird. Morgen allerdings geht es los; Zeit also für das Abschiedskomitee, die Taschentücher zu bügeln, um an der Kaimauer winken und sich auch ein verstohlenes Tränchen aus dem Auge wischen zu können, Zeit für die Blaskapelle, ihr Messing auf Hochglanz zu bringen und noch einmal Muß i denn zu üben, Zeit für die Schlepper von Calderan, im Giudeccakanal Spalier zu bilden und aus allen Rohren in die Luft zu spritzen, und Zeit für die Kanoniere im Forte di Sant’Andrea, ihre größten Stücke für das Salutschießen zu laden. Das alles wäre mehr als angemessen, doch wird es ganz unspektakulär zugehen – wir werden aus aus dem Hafen fahren wie sonst, bloß werden wir nicht mehr zurückkommen.
Sandro
Sandro, ein meist gutgelaunter vielbeschäftigter Mann, den wir auf Mitte 50 schätzen, schwer, doch beweglich genug für seine Arbeit in den unzugänglichsten und engsten Winkeln, ist elettricista, Spezialist für die Elektrifizierung von Schiffen, Yachten hauptsächlich. „Sandro“ weiterlesen
Kioske 2 – Venedig

Frau & Gondel
Ein Supplement zum Beitrag vom 12. Mai
Vergangene Woche wurden in Venedig die neuen Gondellizenzen vergeben, und obwohl eine ganze Reihe von Frauen ihren Hut in den Ring geworfen hatten, gingen die heißumkämpften Konzessionen ausschließlich an Vertreter des starken Geschlechts – es bleibt also wie gehabt bei den zwei lizenzierten Gondelfahrerinnen auf der Reservebank, die einspringen dürfen, wenn die Männer ausfallen. „Frau & Gondel“ weiterlesen
Olbi

Havarie eines Kreuzfahrtschiffs im Canale della Giudecca, oder: Knapp an der Katastrophe vorbeigeschrammt
Vergangene Woche, so erfuhren wir von Luca, der uns geholfen hatte, die Gasversorgung der INO wieder in Stand zu setzen, sei eines der großen Kreuzfahrtschiffe, die nicht nur in ästhetischer Hinsicht ein immenses Problem für Venedig sind, im Canale della Giudecca havariert – die Motoren ausgefallen, und die beiden Schlepper, die dazu da waren, den Koloß durch das enge Fahrwasser zu bugsieren, nicht in der Lage zu verhindern, daß das Schiff gefährlich nahe auf Zattere zutrieb. „Havarie eines Kreuzfahrtschiffs im Canale della Giudecca, oder: Knapp an der Katastrophe vorbeigeschrammt“ weiterlesen
EIN DENKMAL FÜR CASANOVA, ZWEITE LIEFERUNG – ES GIBT WIRKLICH EINES!
Vor längerer Zeit war hier an dieser Stelle von dem unglücklichen Schicksal des Denkmals für Casanova, den alten Schwerenöter, zu lesen, dessen 30 Tonnen Granit nebst seinen Bronzefiguren in den Industrieruinen Margheras ein elendes Dasein fristen, nachdem ihnen vor nunmehr zwanzig Jahren ein kurzer glanzvoller Auftritt auf dem Markusplatz beschieden gewesen war, während des Canevals 1998. (Was heutzutage zu dieser Zeit den Markusplatz bespielt, ist noch viel schlimmer.) Das wird es also gewesen sein mit einem Monument für Casanova, denkt man sich, und ist dann um so erstaunter, wenn man im Internet auf ein Monument pour Casanova stößt, hier in Venedig, und dazu noch in der Frarikirche. „EIN DENKMAL FÜR CASANOVA, ZWEITE LIEFERUNG – ES GIBT WIRKLICH EINES!“ weiterlesen
Kioske 1 – Venedig
Limerick (Venice)
INO Bibliothek: Neuzugänge III
Die INO wird auf ihrer Fahrt zwar das eine oder andere Buch mitführen, jedoch den Anspruch auf eine Bordbibliothek keinesfalls erheben können. Diese wird also aus Vorschlägen bestehen, aus einem virtuellen Katalog, der während der Dauer der Fahrt erstellt wird. Wer immer sich berufen fühlt, ist eingeladen, seinen Beitrag zu leisten, der, wie es sich gehört, aus dem Namen des Autors, Titel, Erscheinungsort und -jahr bestehen soll sowie einer kursorischen Notiz, die den Zusammenhang zum Projekt der INO herstellt. Die Beiträge bitte an kontakt@ino-art.eu.
Abraham a Sancta Clara (Ulrich Megerle), Judas der Ertz-Schelm, 4 Bde. Salzburg 1686, 1689, 1692 & 1695. — Linguistische Artistik in skrupellosester Manier.
Bräker, Ulrich, Etwas über William Shakespears Schauspiele, von einem armen ungelehrten Weltbürger, der das Glück genoss denselben zu lesen, St. Gallen 1998 [1780]. — »Ich ehre diesen großen Mann so sehr, als man einen Verstorbenen ehren darf, und wünsch ihn in jener Welt anzutreffen. Das Glück, seine Werke zu lesen, dringt mir diese Zeilen zu seinem Lobe ab, und wenn Shakespeare noch lebte, würde er dies unmündige Lob nicht verachten; vielleicht mich zwischen den Rippen kennen und lächelnd ein gütiges Urteil fällen.« „INO Bibliothek: Neuzugänge III“ weiterlesen
The Last Passage
Anrüchiges
Vom Standpunkt der Abwasserwirtschaft aus ist Venedig keineswegs in der Gegenwart angekommen. Ein Kanalsystem gibt es nicht, etwa ein Drittel der Abwässer wird in Fäkalientanks gesammelt und regelmäßig von eigens ausgerüsteten Kähnen abgepumpt, der Rest landet wie eh und je ungeklärt in der Lagune und wird mit der Ebbe in die Adria gespült.
Ein Herr, wie aus dem Ei gepellt

Der pasticciere und seine pasta madre

Gender Trouble In Venice
Gilberto Penzo, der unbestrittene Fachmann in allen Fragen venezianischer Wasserfahrzeuge – er betreibt einen kleinen Laden in San Polo, wo er allerhand Modelle feilbietet, vom sàndolo bis zur Autofähre, ist zudem Autor diverser Standardwerke über Gondeln, forcole und anderes, so auch über vaporetti – berichtete vom langsamen Niedergang der Gondelwerften: In fast allen squeri gäbe es keine Söhne, sondern nur Töchter, und diese hätten kein Interesse, das väterliche Gewerbe fortzuführen.






