Bora

The Bora, which is the great disturber of that sea, always arises without the least warning; it attacks seamen with all the violence of a tornado, and permits none but the hardiest to keep the deck. Sometimes it rages for weeks together, and the domain of its greatest fury is comprised exactly within the mouths of Cattaro and the south point of Istria. The Dalmatian, however, accustomed to brave it from childhood, hardens under its breath, and despises the vulgar gales of other seas.

Karl Marx: The Maritime Commerce of Austria. In: New-York Daily Tribune. Nr. 5082, 4. August 1857

Pula, oder von den Segnungen der Industrie

Einen Ort zu finden, der nicht ausschließlich vom Tourismus lebt, oder der nicht gänzlich dem Tourismus geopfert wurde, oder der sein Überleben nicht ausschließlich dem Tourismus verdankt, dürfte an der kroatischen Adriaküste nicht einfach sein. Die Sinnentstellung der Städte, die der enthemmte Tourismus nach sich zieht, ihre Degradierung zum voyeuristischen Objekt, die Entfremdung, die im Gefolge der spätkapitalistischen Erfolgsgeschichte unabdingbar scheint, erfüllen mit einem Gemisch aus Wut und Wehmut, das nicht notwendigerweise sentimental sein muß.

„Pula, oder von den Segnungen der Industrie“ weiterlesen

Lebende Denkmäler auf Brioni

Wer aus Interesse an architektonischen Monumenten nach Brioni reist, wird enttäuscht sein – Plečniks Alterswerk, der Pavillon, den er hier für Tito baute, wird für ihn unsichtbar bleiben, und schon die Frage danach ruft ein verständnisloses, ja mitleidiges Lächeln ob der Naivität eines solchen Ansinnens hervor, sind weite Teile des Archipels doch Sperrgebiet und ist hier weniges so präsent wie die allgegenwärtigen Zäune. Doch hat die Insel anderes, größeres zu bieten: die unmittelbare Teilnahme am verblichenen Marschall und Staatenlenker, und zwar vermittels lebender Objekte, die weit mehr als schlichte Zeitzeugen sind.

„Lebende Denkmäler auf Brioni“ weiterlesen

Schwalben

Das Anrührendste in Poreč – die Byzantinisten, allen voran Hans Buchwald, mögen mir verzeihen, bin ich mir der Bedeutung der Euphrasius-Basilika zwar voll bewußt, jedoch, um ehrlich zu sein, nicht von ihr angerührt – sind die Schwalben, die sich um den Turm besagter Kirche scharen, unter heftigem Gezwitscher kühnste Flugmanöver exerzierend. Bei uns zuhause kaum mehr aufzufinden (die sorgsam gehüteten Nester am Nachbarhaus sind seit zwei Jahren vakant), sieht man sie hier, wo die Kargheit der Böden einer intensiven landwirtschaftlichen Nutzung entgegensteht, noch in großen Mengen.

[fb]

Die erste Woche

Das Grün der Lagune ist dem Blau der Adria gewichen, die trüben Wasser Venedigs den klaren Istriens. Schon auch ist die Sentimentalität des Abschiednehmens verweht und der Blick zurück nicht mehr von einem leisen Orgelpunkt aus Wehmut untermalt. Nun könnte man also erwarten, das Auge sei so recht erfrischt geradewegs nach vorn gerichtet, neuen Horizonten und großen Zielen entgegen, aber das träfe die Sache auch nicht. Eher zur Seite geht der Blick, gilt dem Unmittelbaren, dem Hier und dem Jetzt. Berlin wird zwar das ferne Ende der Fahrt sein, will sich aber zu ihrem Ziel nicht so recht eignen. So könnte man den berühmten Satz von Konfuzius anführen, wenn der sich nicht so sehr in den falschen Mündern abgenutzt hätte, daß er allenfalls noch zur Sinnspruchstickerei taugt. — Wobei mir in den Sinn kommt, daß er, wenn man’s recht überdenkt, sich als Weißstickerei über dem Führerstand der INO vielleicht gar nicht so schlecht ausmachen würde – wer immer sich also berufen fühlt: Länge 203 cm, Höhe maximal 20. Weißes Leinen, gerne mit einer Andeutung von Posamenten.