Gilberto Penzo

Himmel
Rhizostoma octopus in Venedig
Stoffe, 1. Lieferung: Bevilacqua, Venedig, mit einem Supplement von Fortuny.
Abfahrt
Wie die Zeit vergeht. Vor einem Jahr hatten wir loszufahren geplant, vor 14 Monaten sogar, wenn man es genau nimmt. Ein ganzes Arsenal an tröstlichen oder spöttischen Sprüchen wird jetzt gegen oder für uns ins Feld geführt werden können, nach dem Muster Was lange währt – doch weiß niemand, ob es jetzt gut wird, oder ob die Sache gutgeht und auch keiner, wie sie ausgehen wird. Morgen allerdings geht es los; Zeit also für das Abschiedskomitee, die Taschentücher zu bügeln, um an der Kaimauer winken und sich auch ein verstohlenes Tränchen aus dem Auge wischen zu können, Zeit für die Blaskapelle, ihr Messing auf Hochglanz zu bringen und noch einmal Muß i denn zu üben, Zeit für die Schlepper von Calderan, im Giudeccakanal Spalier zu bilden und aus allen Rohren in die Luft zu spritzen, und Zeit für die Kanoniere im Forte di Sant’Andrea, ihre größten Stücke für das Salutschießen zu laden. Das alles wäre mehr als angemessen, doch wird es ganz unspektakulär zugehen – wir werden aus aus dem Hafen fahren wie sonst, bloß werden wir nicht mehr zurückkommen.
Frau & Gondel
Ein Supplement zum Beitrag vom 12. Mai
Vergangene Woche wurden in Venedig die neuen Gondellizenzen vergeben, und obwohl eine ganze Reihe von Frauen ihren Hut in den Ring geworfen hatten, gingen die heißumkämpften Konzessionen ausschließlich an Vertreter des starken Geschlechts – es bleibt also wie gehabt bei den zwei lizenzierten Gondelfahrerinnen auf der Reservebank, die einspringen dürfen, wenn die Männer ausfallen. „Frau & Gondel“ weiterlesen
Olbi

Havarie eines Kreuzfahrtschiffs im Canale della Giudecca, oder: Knapp an der Katastrophe vorbeigeschrammt
Vergangene Woche, so erfuhren wir von Luca, der uns geholfen hatte, die Gasversorgung der INO wieder in Stand zu setzen, sei eines der großen Kreuzfahrtschiffe, die nicht nur in ästhetischer Hinsicht ein immenses Problem für Venedig sind, im Canale della Giudecca havariert – die Motoren ausgefallen, und die beiden Schlepper, die dazu da waren, den Koloß durch das enge Fahrwasser zu bugsieren, nicht in der Lage zu verhindern, daß das Schiff gefährlich nahe auf Zattere zutrieb. „Havarie eines Kreuzfahrtschiffs im Canale della Giudecca, oder: Knapp an der Katastrophe vorbeigeschrammt“ weiterlesen
EIN DENKMAL FÜR CASANOVA, ZWEITE LIEFERUNG – ES GIBT WIRKLICH EINES!
Vor längerer Zeit war hier an dieser Stelle von dem unglücklichen Schicksal des Denkmals für Casanova, den alten Schwerenöter, zu lesen, dessen 30 Tonnen Granit nebst seinen Bronzefiguren in den Industrieruinen Margheras ein elendes Dasein fristen, nachdem ihnen vor nunmehr zwanzig Jahren ein kurzer glanzvoller Auftritt auf dem Markusplatz beschieden gewesen war, während des Canevals 1998. (Was heutzutage zu dieser Zeit den Markusplatz bespielt, ist noch viel schlimmer.) Das wird es also gewesen sein mit einem Monument für Casanova, denkt man sich, und ist dann um so erstaunter, wenn man im Internet auf ein Monument pour Casanova stößt, hier in Venedig, und dazu noch in der Frarikirche. „EIN DENKMAL FÜR CASANOVA, ZWEITE LIEFERUNG – ES GIBT WIRKLICH EINES!“ weiterlesen
Kioske 1 – Venedig
Limerick (Venice)
The Last Passage
Anrüchiges
Vom Standpunkt der Abwasserwirtschaft aus ist Venedig keineswegs in der Gegenwart angekommen. Ein Kanalsystem gibt es nicht, etwa ein Drittel der Abwässer wird in Fäkalientanks gesammelt und regelmäßig von eigens ausgerüsteten Kähnen abgepumpt, der Rest landet wie eh und je ungeklärt in der Lagune und wird mit der Ebbe in die Adria gespült.
Der pasticciere und seine pasta madre










