Gender Trouble In Venice

Gilberto Penzo, der unbestrittene Fachmann in allen Fragen venezianischer Wasserfahrzeuge – er betreibt einen kleinen Laden in San Polo, wo er allerhand Modelle feilbietet, vom sàndolo bis zur Autofähre, ist zudem Autor diverser Standardwerke über Gondeln, forcole und anderes, so auch über vaporetti – berichtete vom langsamen Niedergang der Gondelwerften: In fast allen squeri gäbe es keine Söhne, sondern nur Töchter, und diese hätten kein Interesse, das väterliche Gewerbe fortzuführen.

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A Sentimental Journey. Eine Kanalfahrt.

© Penzo

Nicht ohne Mühe und nur dank guter Verbindungen (Ferrari, ohne dessen Hilfe wir auch sonst nicht weit gekommen wären, warf sein Gewicht in die Waagschale) war es gelungen, eine Sondergenehmigung zu erhalten, mit der INO durch den Canal grande zu fahren – Brugnaro selbst, der Bürgermeister, hatte zustimmen müssen, und auch der ACTV sein placet geben.

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VENEZIA OLTREMARE

Ein vorausgreifender Gastbeitrag:

VENEZIA OLTREMARE
Documentary, ITA, 2013, duration 35’00”
Production Ass. Venti di Cultura, 2013 / Marco polo System G.E.I.E
Written by Maurizio Crema; Directed by Enrico Stocco; Original Music by Stelios Lainakis and Gipsy Rufina; Camera Enrico Stocco, Matteo Bolzonello; Audio Elena Chiuso, Umberto Quirolpe, Enrico Stocco; Computer graphic Samuele Gottardello, Giulia Vetrano; Editing Enrico Stocco; Translations Greek: Stravoula Koniari – English, Chinese: Elena Chiusso – Portuguese: Gustavo Imianowsky; Consultants to navigation Tiziano Rossetti, Enrico Brozzola

mehr: http://www.sullealidelleone.com

Eine erste Begegnung mit Seeräubern

Ein Seeräuberschiff kreuzte gestern abend bei Treporti unseren Kurs, ein falscher Corsar, eine der zahllosen Ausgeburten erbärmlicher Phantasielosigkeit, mit denen der Tourismus Venedig und die Lagune zu überschwemmen sich nicht geniert. Schon häufiger hatten wir diese nautische Mißgeburt im Giudeccakanal ausmachen können – es muß sich dabei um die Jolly Roger gehandelt haben, beworben als detailgetreuer Nachbau einer venezianischen Galeone, »im modernen Gewand« freilich, mit ärmlich kurzen Masten und wie Schabracken über Vorhangstangen drapierten angedeuteten Segeln, dazu einem auf das viel zu niedrige Achterkastell gesetzten ringsum verglasten Führerstand, um nur das aus der Ferne ins Auge springende zu erwähnen, und so alles in allem bestens geeignet »als exklusive Location für Events verschiedenster Art«, in der Regel mehrmals täglich stattfindende anderthalbstündige Mottoparties für Groß und Klein, die am Ende in einer spannenden Seeschlacht gipfeln. Wem mag ob dieses Beitrags zur Degradierung Venedigs zu einem Themenpark nicht sogar die Lust an Fälschungen vergehen? Und dabei führte sie nicht einmal einen Jolly Roger, sondern hatte bloß eine rote Persenning aufgespannt, damit auch ja keiner der Piraten naß würde.

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Die Frau von nebenan

Die Heftigkeit des diesjährigen Frühlingsausbruchs zeigt sich hier im Hafen auf vielfältige Weise – der vertrocknete Lorbeer, der in seinen Plastikkübeln den Weg zum Showroom der Arti Veneziane (Murano glassware, jewellery, lace and mask making – they also build gondolas) wenn nicht ziert, so doch faßt, will uns etwas weniger trostlos scheinen, die Enten haben ihre undurchsichtigen Paarungsrituale hinter sich, der wachsende Hormondruck der vitelloni zeigt sich an der Lautstärke sowohl ihrer Außenbordmotoren als auch ihrer überdimensionierten Musikanlagen – wobei ›Musik‹ zumeist ein rechter Euphemismus ist für das, womit sie die Welt beglücken –, und die Pakistani in Creas Werft machen fleißig Überstunden, um die über den Winter hier in den alten Hallen in riesigen Regalen eingemotteten Boote wieder sommerfest zu machen. Auch die größeren Schiffe im Hafenbecken werden allmählich unruhig, und schon zeigen sich die ersten Besitzer und winken.

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